Rückenzentrum Hamburg: Diagnostik, Therapie, Prävention
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Osteochondrose

Was ist eine Osteochondrose?

Eine Osteochondrose bezeichnet eine degenerative Veränderung an der Wirbelsäule. Aufgrund von Fehlbelastungen der Wirbelsäule kommt es zu Veränderungen am Knorpelgewebe/Bandscheibe (Chondro = Knorpel) und den Knochen/Wirbelkörper (Osteo = Knochen). 

Die Abflachung der Bandscheiben ist ein normaler Alterungsprozess. Genetisch bedingt kann dieser eher oder später eintreten. Da Bandscheiben nicht durchblutet sind, werden sie durch die Aufnahme von Gewebeflüssigkeit (bei Entlastung) und das Auspressen von Gewebeflüssigkeit (Belastung) versorgt. Be- und Entlastung sind für eine gesunde Bandscheibe unerlässlich. Eine dauerhafte einseitige und/oder statische (immer gleichbleibende) Belastung der Bandscheibe führt zu einer schlechten Versorgungssituation und langfristig zu degenerativen Veränderungen (die Bandscheibe flacht ab). Unser Lebensalltag ist von statischen Belastungen bestimmt (z.B. sitzen, Autofahren, Kopfvorbeuge über dem Smartphone). Durch unseren statischen Lebensstil fördern wir die Bandscheibendegeneration. Hinzu kommen oft eine schlecht trainierte Haltemuskulatur und nicht optimale Bewegungsabläufe (Koordinationsstörungen). Auch Extrembelastungen (z.B. Extremsportarten) können zu entsprechenden Veränderungen führen. Vermindert sich der Abstand zwischen zwei Wirbelkörpern (Abflachung der Bandscheibe), führt dies zu einer verminderten Stabilität zwischen den beiden Wirbeln und zur Überlastung der kleinen Zwischenwirbelgelenke.  Werden diese nicht ausreichend muskulär gesichert, kommt es durch die Fehlbelastung zu Reaktionen des Knochens und zur Arthrosebildung (Gelenkverschleiß) in den Zwischenwirbelgelenken (Facettengelenksarthrose). Als Reparaturmechanismus versucht unser Skelettsystem den Wirbelsäulenabschnitt mit Hilfe von Knochensubstanz, die zwischen die beiden Wirbelköper einwächst, zu stabilisieren.  Im Röntgenbild sieht man die Abflachung des Bandscheibenraums, die Ausbildung von neuer Knochensubstanz und ggf. die Arthrose der Zwischenwirbelgelenke. Dieser Befund wird Osteochondrose genannt.

Wie macht sich eine Osteochondrose bemerkbar?

Die Osteochondrose ist ein schleichender Prozess. In der Regel ist dieser Befund ein Zufallsbefund im Röntgenbild oder MRT.  Ob die geklagten Rücken- oder Nackenschmerzen mit dem Befund der Osteochondrose zusammenhängen, kann anhand der Bilder allein nicht geklärt werden.  Die verminderte Stabilität zwischen zwei Wirbelkörpern (segmentale Instabilität) kann sich durch einen lokalen Rückenschmerz (insbesondere unter statischen Belastungen oder bei Extrembewegungen) bemerkbar machen. Arthrosen der Zwischenwirbelgelenke führen zu Schmerzen lokal im Rücken und mitunter zur Ausstrahlung in die Oberschenkel (Facettensyndrom). Durch die neu gebildete Knochensubstanz können der Wirbelkanal oder die Ausgänge der Nervenwurzel an der Wirbelsäule eingeengt werden (Spinalkanalstenose; Neuroforamenstenose). Die Spinalkanalstenose führt zu einer typischen Symptomatik. In Ruhe haben die Patienten keine oder wenig Schmerzen. Beim Gehen treten oft schon nach wenigen Metern Schmerzen in den Beinen auf. Hinzu kommen Ausfallerscheinungen wie Taubheitsgefühle oder Muskelschwäche (Claudicatio spinalis). Durch das nach vorne Beugen des Rumpfes und eine kurze Pause sind die Symptome meist schnell rückläufig. Auch bei der Neuroforamenstenose stehen die Beinschmerzen im Vordergrund. Die Differenzierung zwischen Schmerzen, die von den Veränderungen durch die Osteochondrose ausgehen oder eher aus der Muskulatur kommen (weit häufiger), ist schwierig und bedarf einer großen Erfahrung. Oft besteht auch eine Kombination aus beidem.

Wie wird eine Osteochondrose diagnostiziert?

Besteht aufgrund der Anamnese), der klinischen Untersuchung und der bildgebenden Diagnostik (Röntgen, MRT) der Verdacht, dass die Osteochondrose für die Schmerzen verantwortlich ist, können durch den Arzt diagnostische Injektionen durchgeführt werden. Durch diagnostische Injektionen an die Zwischenwirbelgelenke (Facetteninfiltrationen) kann differenziert werden, ob die Schmerzen aus diesen Gelenken kommen. Wichtig ist, dass die Injektionen unter Sicht (z.B. mit einem Röntgengerät) und mit einer kleinen Menge an Betäubungsmittel durchgeführt werden, da man ansonsten möglicherweise die falsche Struktur (z.B. Muskel) oder durch die große Menge an Betäubungsmittel gleich alle Strukturen (Gelenk, Muskel, Bindegewebe) betäubt werden. Dann ist eine Aussage über die Ursache natürlich nicht möglich.

Wie wird eine Osteochondrose behandelt?

Ist die Osteochondrose (mit)verantwortlich für den Schmerz, geht es in erster Linie um die Verbesserung der Wirbelsäulenstabilität. Zusammen mit Physio- und Trainingstherapeuten soll die Wirbelsäule dynamisch bewegt und die Muskulatur trainiert werden. Schmerzmittel und Injektionen können in einigen Fällen die Trainierbarkeit unterstützen.
Sind die Zwischenwirbelgelenke Verursacher der Schmerzen, können diese Gelenke denerviert werden, das heißt, die Schmerzfasern dieser Gelenke werden durch Hitze oder Kälte durchtrennt. Der Effekt kann bis zu 6 Monate anhalten, in denen die Muskulatur gekräftigt werden muss.
Besteht eine Instabilität, die durch ein intensives Training nicht ausreichend behoben werden kann, wird diese durch eine Stabilisierungsoperation stabilisiert (Spondylodese). Das ist aber nur die zweitbeste Möglichkeit! Um die weiteren Wirbelsäulenabschnitte zu schützen, ist ein weiteres Training nach der Operation unbedingt erforderlich. Eine operative Stabilisierung von 2 oder mehr Wirbelsäulenabschnitten ist skeptisch zu beurteilen. In jedem Fall sollte vor einer Operation eine zweite Meinung bei einem nicht operierenden Arzt eingeholt werden. Besteht eine Spinalkanalstenose mit einer Claudicatio spinalis (siehe oben), wird physio- und trainingstherapeutisch versucht, die Wirbelsäule aufzurichten (funktionelle Erweiterung des Wirbelkanals). Reicht dies nicht aus, kann der Wirbelsäulenkanal operativ erweitert werden. In der Regel führt die Operation zumindest für einige Zeit (1-2 Jahre) zu einer deutlichen Linderung der Symptome.

Wie schlimm ist eine Osteochondrose?

Die Osteochondrose ist ein normaler Alterungsprozess der Wirbelsäule, vergleichbar mit Falten im Gesicht. In den meisten Fällen ist sie ein Zufallsbefund ohne Bedeutung. In einigen Fällen kann die Osteochondrose zu Schmerzen führen. Das sollte durch einen erfahrenen Arzt abgeklärt werden.
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