Rückenzentrum Hamburg: Diagnostik, Therapie, Prävention
Zurück zur Übersicht

Ischialgie

Was ist eine Lumboischialgie?

Eine Lumboischialgie beschreibt die Ausbreitung eines Schmerzes (Algos= der Schmerz) im Rücken (lumbal) und im Bein (Ischialgie= entlang des Ischiasnerves). Etwas irreführend ist die Bezeichnung Ischialgie, da weder der Ischiasnerv ursächlich für die Schmerzen ist, noch der Schmerz im Versorgungsgebiet der Nerven auftreten muss.

Die Ursachen sind vielfältig. Am häufigsten sind Funktionsstörungen der Muskulatur (Verspannungen, Triggerpunkte) und/oder der Gelenke (z.B. Iliosakralgelenksblockierungen) für die Schmerzen verantwortlich. Funktionsstörungen des Bewegungssystems resultieren meist aus einer schlecht trainierten Muskulatur, Defiziten in der Koordination oder auch einer erhöhten Daueranspannung der Muskulatur, z.B. durch Dauerstress oder eine mangelnde Entspannungsfähigkeit. Insbesondere die Ischialgie kann auch durch eine Nervenirritation durch einen verspannten Muskel verursacht sein (z.B. Piriformissyndrom).
Ein Nerv kann auch durch einen Bandscheibenschaden oder einer Einengung des Neuroforamens (Foramen = Loch, durch das der Nerv die Wirbelsäule verlässt) verursacht werden. In der Regel bestehen zusätzlich zu den Schmerzen Ausfallerscheinungen (z.B. Taubheitsgefühle, Muskelabschwächung). 

Was hilft bei einer Lumboischialgie?

Bestehen keine Ausfallerscheinungen (z.B. Taubheit, Muskelabschwächung) sollten die täglichen Aktivitäten, ggf. mit Pausen, beibehalten werden (in Bewegung bleiben). Zusätzlich können einfache Schmerzmittel und Wärme helfen. Wer kann, sollte seine Funktionsstörungen des Bewegungssystems selber behandeln (z.B. Dehnung, Selbstmobilisation). Ein regelmäßiges selber „knacksen“ ist jedoch nicht sinnvoll.
Bestehen Ausfallerscheinungen oder lässt sich der Schmerz mit den oben genannten Maßnahmen nicht ausreichend lindern, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Wie wird eine Lumboischialgie diagnostiziert?

In den meisten Fällen kann ein Arzt  mit einer guten Befragung (Anamnese) und einer klinischen Untersuchung die Ursachen für die Schmerzen ermitteln. Nur wenn sich durch die Untersuchung Hinweise auf relevante Veränderungen an der Wirbelsäule ergeben, ist eine weitere Diagnostik, wie zum Beispiel MRT sinnvoll. Aufgrund der häufigen und harmlosen Zufallsbefunde in der bildgebenden Diagnostik (Röntgen, MRT, CT) ist eine entsprechende Diagnostik ohne vorherige ausführliche Untersuchung kontraproduktiv, da sie Arzt, Therapeut und Patient auf die falsche Fährte führt, unnötige Ängste verursacht und ggf. potentiell gefährliche Therapien provoziert.
Besteht ein chronischer Schmerz (Schmerzen länger als 6 Wochen, mehr als 3 Schmerzepisoden/Jahr oder 1-2 Schmerzepisoden/Jahr in 3 Jahren) oder lassen sich die Schmerzen durch die ärztlichen Untersuchungen nicht ausreichend erklären, ist eine multimodale interdisziplinäre Diagnostik (Diagnostik durch ein speziell ausgebildetes Team aus Ärzten, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten) notwendig. 

Wie wird eine Lumboischialgie behandelt?

Sind Funktionsstörungen des Bewegungssystems verantwortlich für die Lumboischialgie, werden diese entweder durch den Arzt oder einen Physiotherapeuten behandelt. Übungen zur Selbstbehandlung (z.B. Dehnung, Selbstmobilisation) sollten immer zusammen mit dem Patienten erarbeitet werden. Zur Vermeidung von erneuten Schmerzen (Rezidive) wird mit dem Patient ein Hausübungsprogramm zur Verbesserung der Bewegungskoordination, der Kraft und Kraftausdauerdefizite eingeübt. 

Auch bei relevanten degenerativen Veränderungen an der Wirbelsäule ist das Training von Koordination und muskulärer Stabilisation das wichtigste Therapieelement. 
Unterstützend, insbesondere beim Beinschmerz, kann zur besseren aktiven Behandelbarkeit eine medikamentöse Schmerztherapie, z.B. mit entzündungshemmenden Medikamenten (z.B. Ibuprofen), eingesetzt werden. Manchmal macht es Sinn, entzündungshemmende Medikamente direkt an die Wirbelsäule zu spritzen (z.B. peridurale Injektionen PDI, Periradikuläre Therapien PRT). Diese können vorübergehend die Schmerzen lindern und so die aktiven Therapien ermöglichen.

Bestehen nur geringfügige neurologische Ausfallerscheinungen (Taubheit, leichte Muskelschwäche), muss nicht sofort operiert werden. In den meisten Fällen gehen die Ausfallerscheinungen und die Schmerzen unter der konservativen Therapie zurück. Falls sich der Schmerz durch eine intensive konservative Therapie nicht ausreichend beeinflussen lässt oder schwere Ausfallerscheinungen bestehen, sollten die Befunde mit einem Wirbelsäulenchirurgen besprochen werden. Chirurgisch kann z.B. die vorgefallene Bandscheibe entfernt oder das Neuroforamen erweitert werden, um so den Nerven zu entlasten. 
Zurück zur Übersicht