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Schmerzen nach Wirbelsäulenoperationen (Failed Back Surgery Syndrome)

Was ist ein Failed Back Surgery Syndrome?

In Deutschland werden (zu) viele Wirbelsäulenoperationen durchgeführt. Treten nach einer Wirbelsäulenoperation die alten oder auch neue Beschwerden auf, spricht man von einem Failed Back Surgery Syndrom (Übersetzt: Die Rückenoperation hat versagt). Nicht gemeint sind der Schmerz direkt nach der Operation (Wundschmerz) oder die ersten Anpassungsreaktionen in den Wochen nach der Operation.

Wie kommt es zu einem Failed Back Surgery Syndrome?

Es gibt mehrere Gründe, warum eine Rückenoperation nicht erfolgreich ist.
Der wahrscheinlich häufigste Grund ist, dass etwas operiert wurde, was nicht den Schmerz verursacht hat. In diesem Fall kann der Schmerz nicht oder nur kurzzeitig weg gehen, da die Ursache nicht beseitigt wurde. Die Entscheidung für eine Operation sollte daher nicht leichtfertig gestellt werden. 

Viele der im MRT, CT oder durch Röntgen gefundenen Befunde sind Zufallsbefunde und haben nichts oder nur wenig mit den geklagten Schmerzen zu tun. Nur wenn alle Befunde (klinische Untersuchung, Bildgebung, geklagte Beschwerden) zusammenpassen, kann eine Operation erfolgreich sein.

Ein weiterer häufiger Grund für fortbestehende Beschwerden ist, dass die Beschwerden nur zum Teil auf die operierten Befunde zurück zu führen sind und ein Teil der Schmerzen z.B. aus der Muskulatur oder einer veränderten Schmerzwahrnehmung resultieren. Diese sollten dann behandelt werden.
Oft kommen die Schmerzen einige Zeit nach der Operation zurück oder es entstehen andere Schmerzen. Da Bandscheibenvorfälle, Wirbelgleiten und ähnliche Befunde nicht von allein kommen, sondern in der Regel Folge von schlecht trainierter und koordinierter Muskulatur sind, ist die Operation erst der Beginn der Behandlung. Wenn eine Operation notwendig war, ist anschließend ein regelmäßiges Trainings- und Übungsprogramm unerlässlich, um ein Wiederkehren der Beschwerden zu verhindern.

Seltener sind Beschwerden nach einer Operation auf die Bildung von Narbengewebe zurückzuführen. Diese treten typischerweise einige Zeit nach der Operation auf (Narben brauchen Zeit sich zu bilden). Narben können Nerven bedrängen oder deren Beweglichkeit einschränken und somit zu Beschwerden führen.

Viele Wirbelsäulenoperationen werden primär nicht aufgrund von Schmerzen (auch wenn diese vorhanden sind), sondern zur Rettung von Nerven und Rückenmark durchgeführt. Der Erhalt der Funktion der Nerven und des Rückenmarks ist das therapeutische Ziel, nicht der Schmerz. In diesen Fällen besteht trotz möglicherweise weiter bestehenden Schmerzen kein Failed Back Surgery Syndrom.

Wie wird das Failed Back Surgery Syndrome diagnostiziert?

Direkt nach einer Operation sind Beschwerden normal. Wichtig ist, dass keine Wundinfektion oder andere Komplikationen vorliegen. Gerade am Anfang nach einer Operation ist auch mit Anpassungsreaktionen (veränderte Statik nach einer operativen Stabilisierung) zu rechnen. Um zu prüfen ob das technische Operationsergebnis gut ist (z.B. das eingebrachte Material gut sitzt), sollte der operierende Arzt zu Rate gezogen werden.
Sind auch nach längerer Zeit (ca. 6 Monate) noch Beschwerden vorhanden, sollte der Arzt diese nochmals gründlich analysieren (Befragung, klinische Untersuchung) und differenzieren woher die Problematik kommt. Wichtige Einflussfaktoren sind Funktionsstörungen im Bewegungssystem (z.B. Kraft, Koordination, Triggerpunkte, Blockierungen), Zeichen für die Entwicklung eines chronischen Schmerzes (z.B. Schmerzausbreitung, vermehrte Schmerzempfindlichkeit), Hinweise für Narbenbildung oder das Wiederauftretens z.B. eines Bandscheibenvorfalls. Gibt es entsprechende Hinweise, kann eine erneute MRT oder CT-Untersuchung sinnvoll sein. Auch seelische Faktoren (z.B. Bewegungsvermeidung, Angst, schlechte Stimmung) können einen Schmerz nicht weg gehen lassen.Kann ein Arzt allein dem Problem nicht ausreichend auf den Grund gehen, sollte eine multimodale interdisziplinäre Diagnostik (Diagnostik durch ein Team aus Ärzten, Psychotherapeuten und Physiotherapeuten) durchgeführt werden.

Wie wird das Failed Back Surgery Syndrome behandelt?

Das Training der Muskulatur der wichtigste therapeutische Ansatz, ein Failed Back Surgery Syndrom zu verhindern oder zu minimieren. Wenn alles wie vor der Operation weiter läuft, sind erneute Beschwerden vorhersehbar.
Ansonsten hängt die Therapie von den gefundenen Befunden ab und kann Physiotherapie, Trainingstherapie und Medikamente beinhalten. Injektionen und Operationen sind eher die Ausnahme. Im Fall von Narbengewebe können die Beschwerden physiotherapeutisch durch Neuromobilisationstechniken oft deutlich reduziert werden. In seltenen Fällen (Nervenschmerzen) kann die Implantation eines elektrischen Impulsgebers (Spinal Cord Stimulation, SCS) in Erwägung gezogen werden. 
Bestehen relevante seelische Einflussfaktoren, bringt deren Behandlung den Patienten oft ein gutes Stück voran.
In vielen Fällen liegt die Ursache für die Beschwerden in einer Mischung aus vielen Befunden und Faktoren, dann ist eine multimodale interdisziplinäre Schmerztherapie der richtige Weg.

Was tun bei einem Failed Back Surgery Syndrome?

Vorbeugen ist besser als behandeln, daher sollte jede Operation gut überlegt sein und außer in seltenen Notfällen eine zweite Meinung bei einem konservativ arbeitenden Arzt eingeholt werden. 
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