Arthrose? Beweg Dich!

Informationen über Arthrose sowie eine spezielle multimodale Therapie im Rückenzentrum Am Michel.

Ihre Gelenke fühlen sich steif und schmerzhaft an und verlieren zunehmend an Beweglichkeit? Das Gehen ist nach längeren Ruhepausen schmerzhaft eingeschränkt? All dies können Hinweise auf eine Arthrose sein, die als Zivilisationskrankheit weit verbreitet ist und von der oft die Knie- und Hüftgelenke betroffen sind.

Wer nun aber glaubt, man müsse arthrotische Gelenke schonen, der irrt.

Was ist Arthrose?

„Arthrose ist ein oft altersbedingter Verschleiß der Gelenke“ (1).
Sie kann in jedem Gelenk auftreten, in dem die Knochenenden mit Knorpel überdeckt sind, vornehmlich in den Fingern, den Knie- und Hüftgelenken, aber auch in der Wirbelsäule (Facettensyndrom). In diesen Fällen wird der Gelenkknorpel dünner und seine Oberfläche rauer (1). Vielfach finden sich auch begleitend Veränderungen am Knochen, z. B. in Form einer Ausbildung von Knochenspangen und sogenannten Osteophyten (gutartige Knochenwucherungen).

Welche Ursachen hat Arthrose?

Eine Arthrose hat vielfältige Ursachen. Ein wichtiger Risikofaktor ist das Übergewicht.

Auch eine berufsbedingte Überbelastung über längere Zeit, z. B. bei Fliesenlegern oder Möbelpackern, kann eine Rolle spielen. Vorgeschädigte Gelenke, z. B. nach einem Unfall mit Gelenkbeteiligung, entwickeln ebenfalls häufiger eine Arthrose.
Dennoch ist der Gelenkverschleiß nicht allein auf mechanische Ursachen zurückzuführen, denn neben genetischer Veranlagung ist vor allem das Alter ein wichtiger Faktor für die Erkrankung. Während bei den 30- bis 40-Jährigen rund 10 Prozent eine Arthrose angeben, berichten 40 Prozent in der Altersspanne zwischen 60 und 70 Jahren, betroffen zu sein (1).

Wie wird Arthrose diagnostiziert?

Informationen aus der Patientenbefragung liefern erste Hinweise, die durch eine körperliche Untersuchung weiter bestätigt werden. Im Röntgenbild fällt eine Verschmälerung des Gelenkspaltes auf. Aber nicht immer passen die Bildgebung und das Schmerzerleben des Patienten zusammen. Denn genauso, wie es Menschen mit einer röntgenologisch bestätigten Arthrose gibt, die sich dadurch nicht beeinträchtigt fühlen, gibt es Menschen mit starken Beschwerden, die keinen entsprechenden Befund in der Bildgebung aufweisen.
Laut Gesund.bund.de, dem Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums, haben nur rund 25 Prozent der Menschen, bei denen eine Arthrose diagnostiziert wird, auch tatsächlich Beschwerden.

Symptome einer Arthrose:
  • oft schleichender Beginn der Symptome
  • typischer „Anlaufschmerz“ am Morgen
  • Einschränkungen bei Sport- und Freizeitaktivitäten
  • Instabilitätsgefühl
  • Steifigkeit und Bewegungseinschränkungen
  • Gelenkgeräusche
  • Schmerz bei Belastung (langes Stehen und Gehen, Treppe steigen)
  • bei fortgeschrittener Arthrose auch Ruheschmerz möglich
  • gerötete, überwärmte oder geschwollene Gelenke möglich
Wie wird Arthrose behandelt?

Zu den Grundlagen der Behandlung gehören die Gewichtsreduktion, sowie die Wissensvermittlung zum Krankheitsbild und eine Trainingstherapie. Ergänzend können physiotherapeutische Behandlungen erfolgen sowie bei Bedarf schmerzlindernde Medikamente, Schuheinlagen oder Gelenkorthesen verschrieben werden. Bei einer schweren Erkrankung kann auch eine OP sinnvoll sein (Gelenkersatz durch Endoprothese) (2).

Welchen Stellenwert hat Bewegung?

Die Versorgung des Knorpels mit Nährstoffen erfolgt ausschließlich durch einen Wechsel von Be- und Entlastung, da der Knorpel selbst über keinerlei Blutgefäße verfügt.

Daher sind Bewegung und eine dosierte Belastung für die Gesundheit und den Funktionserhalt des Knorpels essenziell wichtig.

Der Wert von Bewegungstherapien ist wissenschaftlich gut belegt (Gesund.bund.de). Muskelaufbau hilft, die Gelenke physiologisch zu führen und zu schützen und aus diesem Grund ist auch ein Krafttraining selbst in einem höheren Alter sinnvoll und empfehlenswert. Koordinative Übungen verbessern darüber hinaus die Aktivierbarkeit der gelenkstabilisierenden Muskulatur, sie helfen, eine korrekte, physiologische Beinbelastung zu erlernen und die Stand- und Geh-Sicherheit zu erhöhen.

In diesem Zusammenhang wird  auch über die Vorteile einer überwiegend pflanzlichen Ernährung diskutiert, da sie weniger Entzündungsprozesse im Körper verursachen soll als eine Kost mit viel tierischen Produkten (3).
Gut zu wissen: Eine Ernährungsberatung wird übrigens in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst.

Tipps zum aktiv bleiben oder werden

Wer Spaß beim Sport hat, macht grundsätzlich erst einmal alles richtig. Welche Anforderungen man an seine Gelenke stellt, hängt natürlich von der jeweiligen Sportart ab. Achten Sie daher beim Training auf die Reaktionen Ihres Körpers.

Eine Faustregel für’s Training: Ein akzeptables Schmerzniveau sollte einen subjektiven Wert von Fünf nicht überschreiten (auf einer elfstufigen Schmerzskala, bei der Null „kein Schmerz“ und Zehn den stärksten vorstellbaren Schmerz bedeutet). 
Eventuelle Beschwerden nach dem Sport sollten innerhalb von 24 Stunden auf ein normales Niveau zurückgehen.
Multimodale Therapie bei Arthrose im Rückenzentrum Am Michel

Das Rückenzentrum Am Michel bietet ein spezielles dreiwöchiges multimodales Therapieprogramm an, um Menschen mit Arthrose „auf die Beine“ zu helfen. Die Therapiestrategie ist angelehnt an ein international erforschtes, effektives Therapieprogramm bei Hüft- und Kniegelenksarthrose (4).

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Neben Schulungen und Beratung zum Krankheitsbild, halten Betroffene in den Visiten Rücksprache mit dem behandelnden Arzt, lernen in psychologischen Therapieeinheiten Zusammenhänge zwischen Schmerz und Stress kennen und absolvieren obendrein ein Kraft- und Herz-Kreislauf-Training.

Ziele des Programms:
  • Verbesserung und Erhalt der Gelenkfunktion
  • Reduktion von Schmerzen und Verringerung des Schmerzmittelgebrauchs
  • eine höhere Lebensqualität

Dieses spezielle Gelenkprogramm steht im Rückenzentrum Am Michel Versicherten der Techniker Krankenkasse (TK) und der Hanseatischen Krankenkasse (HEK) offen. Alle anderen gesetzlich und privat versicherten Patienten benötigen eine Verordnung ihres Arztes (Heilmittelverordnung bzw. „Rezept“).

Fazit

Beginnen Sie damit, sofern nötig, Ihr Idealgewicht anzustreben und suchen Sie sich gleichzeitig Bewegungsformen, die Ihnen Spaß machen, damit Sie auch langfristig am Ball bleiben. Denn auch bei Arthrose gilt: Bewegung und Training sind essenziell, eine übermäßige Schonung hingegen ist nicht zielführend.
Multimodale Therapieprogramme tragen zu einer deutlichen Verbesserung der Funktionalität der Gelenke als auch der Lebensqualität bei und unterstützen Sie außerdem hinsichtlich Ihres sozialen und psychischen Wohlbefindens!

So bleibt Arthrose zwar eine chronische Erkrankung, auf deren Verlauf und Schwere aber jeder durch sein eigenes Verhalten Einfluss nehmen kann und für die er auch Verantwortung übernehmen sollte.


Literatur:

(1) Gesund.bund.de. „Arthrose“ (Stand 30.11.2020) https://gesund.bund.de/ [Zugriff am 15.3.2022]

(2) Baumbach L, Skou ST, Roos EM. 2019. Zukunftsweisendes Arthrose-Management. Der Schmerzpatient. 2: 23 –28, https://gladschweiz.ch/wp-content/uploads/2019/05/Baumbach-L-Zukunftsweisendes-Arthrose-Management.pdf [Zugriff am 15.3.2022]

(3) https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Ernaehrung-bei-Arthrose-wenig-Fleisch-viel-Gruenes,arthrose150.html [Zugriff am 22.03.2022]

(4) Skou ST, Roos EM. 2017. Good Life with osteoArthritis in Denmark (GLA:D™): evidence-based education and supervised neuromuscular exercise delivered by certified physiotherapists nationwide. BMC Musculoskelet Disord 18, 1:72,  https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28173795/ [Zugriff am 22.03.2022]


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Autor: Anna Palisi

Die Physiotherapeutin Anna Palisi verfügt über 11 Jahre Berufserfahrung und arbeitet seit 2017 im Rückenzentrum Am Michel. Aktuell lässt sie sich zur CRAFTA-Therapeutin (Cranio Facial Therapy Academy) ausbilden.

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