Arthrose. Ursachen finden und gezielt behandeln!

Schmerzen bei degenerativen Gelenkerkrankungen (Arthrose) führen die Menschen sehr häufig in die orthopädische Praxis.
Die Schmerzen werden von den Patienten in und um das Gelenk herum empfunden. Sie gehen häufig mit den Symptomen einer Entzündung einher (sehen Sie sich hierzu auch unseren Blogbeitrag „Entzündungen“ an.) und bieten im Röntgenbild Verschleißveränderungen in unterschiedlicher Ausprägung. Die im Röntgenbild sichtbare Strukturveränderung lässt jedoch keinen direkten Schluss auf die vom Patienten empfundene Schmerz- und Beeinträchtigungsstärke zu.

Wussten Sie, dass die Information der Rezeptoren aus den beteiligten Geweben des Gelenkes erst im Gehirn verarbeitet und moduliert wird?

So beeinflussen, neben vielen anderen Faktoren, die aktuelle Lebenssituation, psychologische Faktoren oder auch bisherige Erfahrungen im Gesundheitssystem die empfundene Schmerzstärke. Das erklärt dann auch die häufig deutliche Diskrepanz zwischen dem Ausmaß der im Röntgenbild gesehenen Veränderung und dem Maß der vom Patienten berichteten Beeinträchtigung im täglichen Leben.

Anamnese und Befund

Zunächst schildert uns der Patient seine Beschwerden bezüglich der Schmerzlokalisation, der Schmerzstärke, der Abhängigkeit von körperlicher Belastung sowie des Ausmaßes der Beeinträchtigung im täglichen Leben, wozu auch psychologische- als auch eventuelle Risikofaktoren gehören. Wir erkundigen uns nach Verletzungen, durchgeführten Operationen und Effekten von bereits erfolgten Behandlungen. Im Anschluss beginnt die orthopädische Untersuchung mit der Beurteilung der Haltung und des Ganges, sowie der Überprüfung der Beweglichkeit und der Kraft der stabilisierenden Muskulatur. Ergänzt wird die Untersuchung durch Funktions- und Provokationstests. In einem dritten Schritt bewerten wir die Röntgenbilder.

Diagnose

Sollten die Angaben des Patienten (Anamnese), die Untersuchungsergebnisse (klinischer Befund) sowie die Röntgenbilder (Bildgebung) in Übereinstimmung zu bringen sein, so können wir die Diagnose stellen. Die Diagnose sollte aus mehreren Teilen bestehen und die Komponente der Schmerzlokalisation, die Bewertung der Struktur- und Funktionskomponente und ein Erklärungsmodell der aktuellen Schmerzhaftigkeit enthalten.

Für eine erfolgversprechende Therapie ist es daher wichtig, das den aktuell führenden Schmerz meldende Gewebe zu lokalisieren und die Ursache für die Entstehung zu identifizieren.

Therapieempfehlung

Wenn die Strukturveränderung dominiert, so kann sich z. B. die reduzierte Belastungsfähigkeit des Beines durch:

  • eine Gewichtsreduktion (s. BMI),
  • ein Muskelaufbautraining ²),
  • Medikamente (weitere Infos dazu s.u.)
  • oder gar eine Operation

verbessern lassen.

Sollte die muskuläre Verspannung (z. B. Triggerpunkte) im Vordergrund stehen, kann eine gezielte physiotherapeutische Behandlung die Beschwerdesymptomatik schnell und eindrucksvoll reduzieren.

Steht die entzündliche Reizung des Gelenkes nach einer großen körperlichen Belastung im Vordergrund, kann bereits eine mehrtätige Schonung und Kühlung ausreichend sein.

Es lohnt sich also, genau hin zu hören, hin zu fühlen und hin zu schauen.

Verbesserung der Beschwerdesymptomatik durch Gewichtsreduktion

Eine Gewichtsreduktion auf einen BMI < 25 ist aus vielerlei Gründen erstrebenswert. Im Zusammenhang mit degenerativen Gelenkerkrankungen stellt ein größerer BMI einen deutlichen Risikofaktor dar, wobei das Risiko einer Gonarthrose sogar auf das 2,5-fache ansteigt. Darüber hinaus ist ein hoher BMI nicht nur für die Entstehung, sondern auch für das Fortschreiten der Erkrankung mit verantwortlich.

Der BMI (Body-Maß-Index) ist eine Maßzahl für die Bewertung des Körpergewichts eines Menschen in Beziehung zu seiner Körpergröße und wird wie folgt berechnet:

BMI= Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat.

Ein Beispiel: Mein Gewicht beträgt 97 kg bei einer Körpergröße von 2,03 m. Damit habe ich einen BMI (97kg ÷ 4,12 (2,03 x 2,03)) von 23,54. Die Werte von normalgewichtigen Personen liegen nach der Weltgesundheitsorganisation zwischen 18,5 und 25 kg/m². Ab einem BMI von 30 kg/m² spricht man von einer übergewichtigen Person mit Behandlungsnotwendigkeit. ²)

Einspritzung von Medikamenten am Beispiel einer Gonarthrose (Kniegelenksarthrose)

Hierzu gehören:

  • Cortison
  • Hyaluronsäure
  •  PRP (ACP)

In das Kniegelenk injiziertes Cortison wirkt insbesondere bei einer Kniegelenksbeschwerdesymptomatik, hervorgerufen durch eine akute Entzündung. Das Kniegelenk ist dick und heiß, beispielsweise nach einer schweren körperlichen Belastung bei bereits bekannter Arthrose. Es entsteht ein Erguss (die Innenhaut der Kniegelenkskapsel produziert vermehrt Gelenkflüssigkeit) und das Gelenk ist überwärmt.

In dieser Situation kann das Gelenk durch eine Punktion (die vermehrte Gelenkflüssigkeit wird abgelassen) und die nachfolgende Injektion eines Cortison-Präparates entlastet werden.

Es handelt sich also vornehmlich um die Behandlung einer akut entzündlichen Situation. Der Knorpeldegeneration wird erst in einem zweiten Therapieschritt nachgegangen.

Die Hyaluronsäure soll im Kniegelenk die Gleiteigenschaften der Knorpelflächen gegeneinander verbessern und gleichzeitig die körpereigene Hyaluronsäurebildung stimulieren. Die Hyaluronsäure-Therapie wird in der Leitlinie Gonarthrose der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie für die Fälle empfohlen, in denen entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac nicht eingesetzt werden können oder nicht ausreichend wirksam sind.

Die Injektion von PRP (platelet rich plasma) stellt eine neue Option in der Behandlung der Gonarthrose dar. Durch Zentrifugieren wird aus dem Blut des Patienten ein Serum, das mit Wachstums- und Wundheilungsfaktoren angereichert ist, gewonnen und in das Kniegelenk injiziert. Insbesondere bei Patienten in der Frühphase einer Arthrose konnte im weiteren Verlauf die Regeneration des geschädigten Knorpels beobachtet werden.


¹) Tipps für ein optimales Muskelaufbautraining lautet der Titel unseres Blogbeitrages im Juni.

²) Wie Sie Ihr Gewicht sinnvoll und effektiv reduzieren können, beschreibt Frau Dr. Schnibben in einem der folgenden Blog-Artikel.

Autor: Dr. Joachim Mallwitz

Facharzt für Orthopädie und Physiotherapeut. Leiter des Rückenzentrum Am Michel seit 2001.

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