Die Entzündung: Woran man sie erkennt und was hilft!

Wir möchten, dass Sie in Bewegung bleiben und regelmäßig Sport treiben. Wenn jedoch eine akute Entzündung im Gelenk vorliegt, muss dieser Bereich vorübergehend geschont werden.
In diesem Beitrag veranschaulicht Dr. Mallwitz einen Entzündungsprozess und dessen Behandlungsmöglichkeiten.
Lesezeit 3 Minuten

5 Kardinalsymptome weisen auf eine akute Entzündung hin:

  • Überwärmung
  • Rötung
  • Schwellung
  • Schmerz
  • eingeschränkte Funktion der Körperregion.

Das Muster, nach dem eine Entzündung verläuft, ist im gesamten Körper das Gleiche: Ob Krankheitserreger (Bakterien/ Viren), Verletzungen durch Fremdkörper (z.B. Splitter im Finger) oder physikalische Reize (die z.B. zu einem Gewebeschaden führen), jedes Mal versucht der Körper:

  • die Gefahr einzugrenzen,
  • sie abzuwehren und
  • anschließend den Schaden zu reparieren.

Auch bei orthopädischen Beschwerdebildern finden sich häufig Entzündungen. Ein Beispiel: 

Nach einer längeren Sportpause erinnere ich mich an meine frühere Joggingstrecke. Damals konnte ich ohne Schwierigkeiten 45 Minuten im Wald laufen, fühlte mich währenddessen sehr gut und danach entspannt. In der Zwischenzeit wurde jedoch ein Verschleiß am Innenmeniskus und eine beginnende Arthrose im Kniegelenk festgestellt. Bereits kürzere Laufstrecken führen nun zu einer Reizung des betroffenen Kniegelenkes. Es wird dick, fühlt sich heiß an, ist geschwollen und leicht gerötet. Ich mag es nicht mehr beugen.

Alle Anzeichen einer akuten Entzündung sind in diesem Beispiel vorhanden:
Das Kniegelenk ist geschwollen, überwärmt und leicht gerötet. Es tut weh und die Funktion (schmerzfreies Gehen) ist deutlich eingeschränkt. So reagiert das nicht ausreichend auf die Belastung (Joggen im Wald) vorbereitete Kniegelenk mit einer Reizung bzw. einer akuten Entzündung.

Doch wo liegt die eigentliche Ursache für das Problem? Stellt doch die Entzündung lediglich eine Reaktion des Körpers auf eine Gewebeschädigung dar.

In unserem Beispiel liegt es im Gelenk, in dem unter anderem Knorpelzellen zerstört werden. Der Zellschaden führt zu einer Freisetzung von Entzündungs-Botenstoffen, also Stoffen aus der Zelle, die die akute Entzündungsreaktion im Gewebe auslösen. Botenstoffe sind u.a. Histamin, Prostaglandine und Interleukine.
(Beachte: In der Orthopädie eingesetzte Schmerzmedikamente (Ibuprofen, Diclofenac) wirken, indem sie den Botenstoff Prostaglandin blockieren.)
Am Ort der Gewebeschädigung kommt es durch die Entzündungs-Botenstoffe zu einer Erweiterung und zu einer größeren Durchlässigkeit der Gefäße. Dadurch verlassen dort unter anderem Abwehrzellen, Reparaturzellen und Eiweiße die Gefäße, wodurch sich die typischen Zeichen der akuten Entzündung entwickeln. Die Entzündungsreaktion des Körpers ist sehr ausgeklügelt, denn sie ermöglicht die schnelle Reparatur des Gewebeschadens (s.o.).

Die Reparatur des Gewebeschadens übernimmt der Körper selbst.

Die Behandlung durch den Orthopäden unterstützt mit verschiedenen Behandlungsmethoden den Heilungsprozess.

Die Therapie

Die Diagnose einer akuten entzündlichen Reaktion des Kniegelenkes aufgrund einer Überlastung sowie bei einer bekannten Verschleißerkrankung legt die nächsten Schritte bereits fest: Vorübergehende Schonung zur Entlastung des Gelenkes, Hochlagerung des Beines oder auch kühlende Umschläge/ Eis zur Linderung der Schwellung, Überwärmung und Rötung. Zusätzlich kann die Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten (Antiphlogistika) u.a. mit den Wirkstoffen Diclofenac, Ibuprofen, Etoricoxib und  Celecoxib die Therapie unterstützen.

ACHTUNG: Die genannten Medikamente blockieren das Enzymsystem (Cyclooxygenase), das für die Bildung der Prostaglandine verantwortlich ist. Das Enzymsystem und die Freisetzung der Prostaglandine sind jedoch auch in anderen Organsystemen vorhanden, wo sie mit sehr positiven Effekten aufwarten (Schutzfunktion). Diese Effekte werden durch die Einnahme der genannten Medikamente ebenfalls reduziert und können zu schweren Nebenwirkungen z.B. am Magen (Magenschleimhautreizung bis zum Magengeschwür) oder der Niere (Niereninsuffizienz bis zum Nierenversagen) führen. Daher sollten Ibuprofen und Co. auch nur wenn es unbedingt erforderlich ist und nur für einen vorübergehenden Zeitraum eingesetzt werden.

In Fällen einer sehr starken entzündlichen Reaktion wird die Punktion des Gelenkes (Entnahme der Gewebsflüssigkeit) für Erleichterung durch die Druckentlastung des Gelenkes sorgen. Im Anschluss injiziert der Orthopäde häufig ein entzündungshemmendes Medikament, z.B. Cortison. Alternativ können entzündungshemmende Stoffe aus dem Blut des Patienten (mittels Zentrifugieren) gewonnen und in die entzündete Region eingespritzt werden.

Im Fall unseres Beispiels kann darüber hinaus mit einem Fahrradergometertraining und muskulären Stabilisationstraining eine Verbesserung der Belastungsfähigkeit und eine Entlastung der Knorpelflächen erreicht werden. Nahrungsergänzungsstoffe oder auch Hyaluronsäure, die in das Kniegelenk gespritzt wird, können zu einer Verbesserung der Gleitfähigkeit der Knorpelflächen führen.

Autor: Dr. Joachim Mallwitz

Facharzt für Orthopädie und Physiotherapeut. Leiter des Rückenzentrum Am Michel seit 2001.

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