Sensomotorisches Training – bessere Kontrolle über den eigenen Körper!

In unseren Blogbeiträgen haben Sie schon einiges erfahren über:

All dies wäre jedoch ohne koordinierte Bewegungen nicht möglich, die wiederum unvorstellbar ohne die sogenannte Sensomotorik wären.

Sensomotorik bezeichnet das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln.

Es gibt aufsteigende (sog. afferente) Nervenimpulse aus den peripheren Geweben zum Rückenmark und Gehirn, die absteigende (efferente) Impulse wieder zurück über das Rückenmark in das Zielgewebe zur Folge haben (1).

Ein praktisches Beispiel aus dem Alltag:

Stellen Sie sich vor, Sie möchten ein Gewicht anheben, von dem Sie nicht genau wissen, wie schwer es ist, zum Beispiel eine Getränkekiste. Durch eine Feedbackschleife wird ein Ist-Soll-Vergleich erfolgen: Reicht die Muskelkraft aus, um das Gewicht zu bewegen? Muss ich mehr Kraft mobilisieren oder vielleicht weniger, weil die Kiste leer ist? Diese Feinjustierung ist die Folge geglückter Sensomotorik.

Oder denken Sie daran, wie sehr sich das Gehen auf Asphalt vom Gehen im Sand oder im Wasser mit starkem Wellengang unterscheidet– alles Sensomotorik.

Sensomotorik lässt sich trainieren

In diesem Fall spricht man von sensomotorischem Training (SMT). Sensomotorisches Training verbessert sowohl die Zusammenarbeit von einzelnen Muskeln (intermuskulär) untereinander als auch das Zusammenspiel der Muskelfaserbündel innerhalb der einzelnen Muskeln (intramuskulär).

   

Welche Voraussetzungen brauchen wir für Sensomotorik?

Relevant sind neben dem Sehen und Hören auch der Gleichgewichtssinn (Innenohr) und die sogenannte Propriozeption.

Spezialisierte Sinneszellen (sog. Propriozeptoren) in Sehnen, Bändern, Gelenkkapseln und Muskeln geben Informationen über die aktuelle Gelenkstellung, Muskelspannung etc. an unsere Steuerzentralen weiter. Vor allem in den Füßen und der oberen Halswirbelsäule haben wir zahlreiche solcher Rezeptoren.

Wer braucht SMT?

Viele Patienten- oder Personengruppen profitieren von SMT, sowohl in der Prävention, als auch in der Therapie, zum Beispiel nach einem Umknicken mit dem Fuß (Supinationstrauma) oder nach Kreuzbandverletzungen des Kniegelenks (2, 3). (Siehe auch weitere Informationen unter Krankheitsbilder .)

SMT verbessert die schnelle Ansprechbarkeit der Muskeln und kann so zum Beispiel Stürze oder andere Verletzungen verhüten. Patienten mit Beschwerden im Bereich der Lenden- oder Halswirbelsäule üben im Rückenzentrum Am Michel auch die sogenannte motorische Kontrolle. Hierbei geht es darum, sich einer Körperpartie bewusst zu werden (zum Beispiel LWS) und diese isoliert zu stabilisieren oder zu bewegen. Studien zeigen, dass Patienten dazu schlechter in der Lage sind als schmerzfreie Kontrollpersonen (4).

Wie funktioniert SMT und welche Geräte kommen zum Einsatz?

SMT ist in der Regel eine wackelige Angelegenheit, im wahrsten Sinne des Wortes. Instabile Unterlagen von Schaumstoff-Pad und Therapiekreisel, über Gymnastikbälle und Mini-Trampolin, bis Slackline und Schlingentrainer kommen zum Einsatz. Dadurch wird viel Input generiert, es erfolgt eine schnelle Weiterleitung der Informationen aus der Peripherie an Rückenmark und Gehirn und eine adäquate Muskelantwort ist das Ergebnis.

   

Neben diesen low-tech Therapiegeräten gewinnt auch das sogenannte Exergaming immer mehr an Bedeutung, z. B. Nintendo Wii. Mithilfe eines mit einer PC-Spielkonsole verbundenen Balanceboards wird das Gleichgewicht geschult, Bewegungsaufgaben müssen gelöst werden.

Wann sollte man ein sensomotorisches Training machen?

Nerven und Muskeln auf Hochtouren – das klingt anspruchsvoll! Ist es auch. Daher sollten Sie wegen der schnellen neuronalen Ermüdbarkeit in der Regel zu Beginn einer Trainingseinheit ein SMT durchführen. Also z. B. nach einer Erwärmung auf dem Fahrradergometer oder Crosstrainer absolvieren Sie zuerst eine Einheit SMT und danach noch Krafttraining. Diese Reihenfolge kann aber zu Trainingszwecken auch bewusst verändert werden.

Der Fantasie sind im SMT kaum Grenzen gesetzt!

Ein Beispiel aus dem Sport:

Gewichtheber können beispielsweise zur Verbesserung der Sensomotorik beim Langhanteltraining die Gewichtsscheiben nicht konventionell auf die Stange stecken, sondern mithilfe von elastischen Bändern beweglich anhängen. Durch das leichte Pendeln der Gewichte ist der Körper stark in seiner Sensomotorik gefordert.

Aber Sie müssen nicht gleich zur Langhantel greifen, auch das Bewegen kleiner Kurzhanteln, während Sie etwa mit einem Bein auf einem Therapiekreisel stehen, bringt sie bereits aus der Balance und fördert das harmonische Zusammenspiel von Nerven und Muskeln.

        

Oder Sie werfen sich als Partnerübung verschieden schwere Bälle zu, vom Tennisball bis zum Medizinball, zunächst werden Sie vielleicht zu kurz oder zu weit werfen, aber mit der Zeit lernt der Körper, welche Kraft er bei welchem Ball benötigt.


Weitere Übungen sehen Sie unter: „Übungen für Zuhause“. Oder klicken Sie hier: Sensomotorisches Training


Literatur:

  1. mobilesport.ch/erwachsenensport/sensomotorisches-training-was-ist-sensomotorik/ (Zugriff am 29.1.2020)
  2. de Vasconcelos GS, Cini A, Sbruzzi G, Lima CS. 2018. Effects of proprioceptive training on the incidence of ankle sprain in athletes: systematic review and meta-analysis. Rehabil. 32, 12:1581-90
  3. Dargo L, Robinson KJ, Games KE. 2017. Prevention of Knee and Anterior Cruciate Ligament Injuries Through the Use of Neuromuscular and Proprioceptive Training: An Evidence-Based Review. Athl. Train. 52,12:1171-2.
  4. Luomajoki H, Kool J, de Bruin ED, Airaksinen O. 2008. Movement control tests of the low back; evaluation of the difference between patients with low back pain and healthy controls. BMC Musculoskelet. Disord. 9:170.

    Alle Fotos sind urheberrechtlich geschützt und Eigentum des Rückenzentrums Am Michel. 

Autor: Anna Palisi

Die Physiotherapeutin Anna Palisi verfügt über 11 Jahre Berufserfahrung und arbeitet seit 2017 im Rückenzentrum Am Michel. Aktuell lässt sie sich zur CRAFTA-Therapeutin (Cranio Facial Therapy Academy) ausbilden.

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