Schmerzmedikamente – Teufelszeug oder Wundermittel?

Schmerzmedikamente sind vorübergehende Hilfsmittel, jedoch keine Dauerlösung.
Ein Beitrag von Dr. med. univ. Deborah Bregler

Rückenschmerzen können hin und wieder so intensiv sein, dass körperliche Bewegung unmöglich erscheint. In solchen Fällen verschreibt der behandelnde Arzt dann meist ein Medikament zur Schmerzlinderung.

Doch häufig fragen sich Patienten dann: Soll ich überhaupt ein Schmerzmittel einnehmen und damit mögliche Nebenwirkungen in Kauf nehmen? Oder kann ich die Schmerzen nicht auch weiterhin ohne Medikamente aushalten?

Die Antwort auf diese durchaus berechtigten Fragen ist vielschichtig:

  • Arzneimittel unterstützen den Wiedereinstieg in die körperliche Aktivität und helfen dadurch, die Schmerzen anzugehen.
  • Ein hoher Schmerzpegel ist ein bedeutender Faktor in der Schmerzchronifizierung und kann mit einer adäquaten medikamentösen Schmerztherapie reduziert werden.
  • Eine physiotherapeutische und sporttherapeutische Behandlung mit aktiven Inhalten ist mit weniger Schmerzen effektiver durchführbar.
  • Einem zunehmenden körperlichen Rückzug durch eine steigende Schmerzintensität kann mit Hilfe von Schmerzmedikamenten entgegengewirkt werden.
Welche Medikamente gibt es gegen Schmerzen?

Im folgenden Abschnitt werden einige wichtige Medikamente der verschiedenen Wirkstoffgruppen und deren Anwendungsgebiete, sowie einige ihrer Nebenwirkungen aufgezählt.

1986 erstellte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das WHO-Stufenschema. Hier werden die Schmerzmedikamente im Sinne eines Therapieleitfadens in 3 Stufen eingeteilt:

  1. Stufe: Nicht-Opioid-Analgetika
  2. Stufe: Nicht-Opioid-Analgetika und schwach wirksame Opioide
  3. Stufe: Nicht-Opioid-Analgetika und stark wirksame Opioide

Das Stufenschema bildet die Grundlage einer auf den Betroffenen abgestimmten individuellen Schmerztherapie. Dabei wird die 2. Stufe erst dann erreicht, wenn die Schmerzen trotz der Gabe von Nicht-Opioiden aus der 1. Stufe fortbestehen. Entsprechend verhält es sich beim Übergang in die 3. Stufe.

Das WHO-Stufenschema
© RZAM – In Anlehnung an das WHO-Stufenschema

1. Stufe

Die 1. Stufe listet zum einen die Schmerzmedikamente aus der Gruppe der Nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) auf, welche neben der Wirkung gegen Schmerzen auch eine gute Wirkung gegen Entzündungen haben. Hierzu zählen Wirkstoffe wie Ibuprofen (z.B. Ibuflam®, IbuHEXAL®), Diclofenac (z.B. Diclac®, Voltaren®) oder Etoricoxib (z.B. Arcoxia®). Die häufigsten Nebenwirkungen der NSAR betreffen den Verdauungstrakt (z.B. Magengeschwüre, Magenschleimhautentzündung) bis hin zu Blutungen, welche v.a. durch eine längerfristige und hochdosierte Einnahme begünstigt werden.

Zum anderen wird in der 1. Stufe noch das Metamizol (z.B. Novalgin®, Novaminsulfon®) gelistet. Hier sind die häufigsten Nebenwirkungen u.a. eine allergische Reaktion und ein Blutdruckabfall.

Das Paracetamol (z.B. Perfalgan®, ben-u-ron®) ist ein weiteres Schmerzmedikament in dieser Stufe, welches neben der schmerzlindernden auch eine gute fiebersenkende Wirkung hat. Hierbei sollte unbedingt die Maximaldosierung beachtet werden, da eine Überdosierung eine Leberschädigung verursachen kann.

2. Stufe

Hier werden die schwach wirksamen (niederpotenten) Opioide gelistet. Als Opioide werden Schmerzmedikamente bezeichnet, die zu der Gruppe der Betäubungsmittel zählen. Diese wirken hauptsächlich im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark).

Zu den schwach-wirksamen Opioiden zählen u.a. das Tramadol (z.B. Tramal®) und das Tilidin (z.B. Valoron®). Die häufigsten Nebenwirkungen sind Schwindel, Müdigkeit, Benommenheit und vermehrtes Schwitzen und bei Behandlungsbeginn Übelkeit und Erbrechen.

Als wichtigste Wechselwirkung ist die gleichzeitige Einnahme von Alkohol zu nennen, wodurch es zu einer Beeinträchtigung der Atmung kommen kann. Bitte trinken Sie daher während einer Schmerz-Therapie mit Opioiden niemals Alkohol.

3. Stufe

Diese Stufe beinhaltet die stark wirksamen (hochpotenten) Opioide. Als häufiges Präparat bei Rückenschmerzen ist das Oxycodon (z.B. Targin®, Oxygesic®) zu nennen. Die Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sind ähnlich zu den Opioiden aus Stufe 2, weiterhin kann es häufig zu Verstopfung, Mundtrockenheit oder Schwindel kommen.

Eine Opioidtherapie muss regelmäßig überprüft werden und sollte so kurz wie nur nötig durchgeführt werden, da Opioide immer die Gefahr einer Abhängigkeit in sich tragen.

Ko-Analgetika – Begleitmedikation
Wirkstoffe, die eine Schmerztherapie effektiv unterstützen können.

Als sog. Ko-Analgetika fungieren außerdem Wirkstoffe aus der Gruppe der Antidepressiva und Antikonvulsiva. Diese können bei spezifischer Indikationsstellung zu den o.g. Schmerzmedikamenten kombiniert werden.

Der Wirkstoff Amtitriptylin (z.B. Saroten®) kann bei Begleiterkrankungen wie Depression und/ oder Schlafstörungen hinzugezogen werden.

Das Pregabalin (z.B. Lyrica®) kann bei einem neuropathischen Schmerz, beispielsweise bei einer Nervenbedrängung durch einen Bandscheibenvorfall mit einer Schmerzausstrahlung ins Bein, in die Schmerztherapie inkludiert werden.

Diese Ko-Analgetika sollten nicht bei Bedarf genommen werden, sondern nach einem festen, ärztlich vorgegebenen Einnahmeschema eingeschlichen und wieder ausgeschlichen werden. Die wichtigsten Nebenwirkungen sind Benommenheit, Müdigkeit und reduziertes Reaktionsvermögen.

Vorübergehendes Hilfsmittel – keine Dauerbehandlung

Davor, Medikamente einzunehmen, muss man zunächst keine Angst haben. Entscheidend ist, dass sie richtig dosiert und gut überwacht werden, dann können sie durchaus helfen. Bei der Ermittlung des richtigen Arzneimittels spielen andere Erkrankungen, bekannte Unverträglichkeiten und weitere bereits eingenommene Medikamente eine wichtige Rolle. Unter Berücksichtigung der individuellen Situation sucht dann der Arzt nach dem passenden Medikament.

Unsere Empfehlung bei Rückenschmerzen

Eine medikamentöse Schmerztherapie sollte aufgrund der verschiedenen Wirkweisen und Nebenwirkungen immer ärztlich indiziert werden. Dabei ist wichtig zu wissen:

Schmerzmittel bekämpfen nur die Symptome von unspezifischen Rückenschmerzen, nicht aber ihre Ursachen. Im Mittelpunkt einer Behandlung sollte daher immer die aktive, körperliche Bewegung stehen.

Während sich bei einem unspezifischen Kreuzschmerz Schmerzpflaster und Schmerzsalben, intravenöse oder intramuskuläre Schmerzmedikamente und Muskelrelaxanzien nicht bewährt haben, sind die Medikamente aus der 1. Stufe häufig hilfreich.

Allerdings empfehlen wir Schmerzmittel nur ergänzend zu nicht-medikamentösen Maßnahmen:

  • Bei akuten Rückenschmerzen (kürzer als 6 Wochen), damit die Betroffenen möglichst kein Schonverhalten entwickeln und ihre üblichen Aktivitäten wieder aufnehmen können.
  • Bei langanhaltenden Kreuzschmerzen, um den Schmerz zunächst zurückzudrängen, sodass therapeutische Bewegungsprogramme durchführbar sind.

Zusätzlich muss der Fokus auf körperlicher Bewegung, Edukation und Schulung der Patienten und Maßnahmen am Arbeitsplatz liegen.
Kann trotz einer adäquaten Schmerztherapie und anderer Therapiemaßnahmen keine Verbesserung erzielt werden, empfehlen wir unseren Patienten eine interdisziplinäre Diagnostik und bei Bedarf eine sich anschließende Multimodale Schmerztherapie.

Weitere Informationen können Sie auch der Patientenleitlinie „Nicht-spezifischer Kreuzschmerz” entnehmen.


Literatur:

  • NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz. 2. Auflage, Version 1. 2017.
  • Fachinformationsverzeichnis Deutschland.

Autor: Carina Mallwitz

Redaktion Rückhalt I Der Blog vom Rückenzentrum

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