Tennisarm… wenn der Arm schmerzt und seine Kraft verliert.

Ging man früher davon aus, dass eine Entzündung die primäre Ursache für einen „Tennisarm“ ist, sieht man heute eher degenerative Veränderungen als führend an.
Erfahren Sie in diesem Artikel mehr über die Ursachen, Symptome, Therapie und die Prognose beim sogenannten Tennisarm.

Der Begriff Tennisarm (Epicondylopathia radialis humeri) ist irreführend, da er nicht nur bei Tennisspielern vorkommt. Alle gleichförmigen, sich wiederholenden Handgriffe können der Auslöser für diese Erkrankung sein. Mittlerweile weiß man auch, dass dabei weniger eine Entzündung im Vordergrund steht, sondern es vielmehr zu degenerativen Veränderungen im Ursprungsbereich der Streckmuskulatur der Hand und der Finger (1) kommt. Durch wiederholte einseitige Bewegungen im Beruf, beim Sport, bei der Gartenarbeit oder beim Musizieren kann es zu kleinsten Verletzungen kommen (Mikrotraumen). In der Folge baut der Körper vermehrt Kollagenfasern auf, in die kleinste Gefäße einsprossen. Die Schmerzen betreffen den äußeren Ellenbogen und können auch in den Ober- und Unterarm ausstrahlen. Der erkrankte Bereich reagiert schmerzhaft auf Druck, auch die Dehnung oder das Zusammenziehen (Kontrahieren) der Muskulatur machen Probleme; denken Sie zum Beispiel an einen festen Händedruck oder das Anheben eines Gegenstandes, etwa eines vollen Kaffeebechers.

Entstehung, Risikofaktoren und Diagnostik

Betroffen sind vor allem Menschen im Alter zwischen 45 und 54 Jahren (1). Viele berichten über einen Schmerzbeginn nach übermäßiger oder ungewohnter Belastung. Durchaus möglich, dass eine Verletzung den Beschwerden vorausging, das muss aber nicht sein. Die Diagnose Tennisarm stellt der Arzt hauptsächlich über die körperliche Untersuchung. Wenn die Beschwerden trotz adäquater Therapie anhalten, können bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Magnetresonanztomographie (MRT) begleitend eingesetzt werden.

In der Untersuchung werden sich der Arzt und der Physiotherapeut auch einen Überblick über die Gelenke verschaffen, die an den Ellenbogen angrenzen, nämlich Schulter und Handgelenk, sowie Hals- und Brustwirbelsäule. Auch das Nervensystem, das von der Hals- und Brustwirbelsäule kommend in den Arm zieht, kann eine Rolle spielen.

Was Betroffene tun können
  • Medikamente:
    Bei akuten Schmerzen können Betroffene für Tage bis wenige Wochen nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) einnehmen. Kortisonspritzen brachten laut nationaler Versorgungsleitlinie (1) langfristig keinen Nutzen. Auch für andere Verfahren gibt es bisher keinen wissenschaftlich ausreichenden Nachweis der Wirksamkeit (z. B. Hyaluronsäure, Platelet-rich-plasma Injektionen, Eigenbluttherapie, Injektionen mit Botulinumtoxin).
  • Übungen:
    Betroffene sollten laut Leitlinie (1) ihre Handgelenkstreckmuskulatur (Handextensoren) kräftigen. Auch Übungen für die Schulter können ergänzend durchgeführt werden. Manuelle Therapie (MT), in Kombination mit Trainingstherapie beschreiben Patienten als wohltuend.
  • Therapien:
    Friktionsmassagen, Elektrotherapie oder Ultraschall sind als isolierte Therapiemaßnahmen nicht zielführend. Stoßwellentherapie kann erwogen werden (2, 3), die Studienlage ist hier noch uneinheitlich. Akupunktur kann zu einer kurzzeitigen Schmerzlinderung führen. Für Magnetfeldtherapie oder Strahlentherapie gibt es keine Empfehlung.
  • Hilfsmittel:
    Eine Orthesenversorgung (Epicondylitisbandage) kann kurzfristig Schmerzen lindern und sich positiv auf die Griffkraft auswirken (4), scheint aber vor allem jüngeren Patienten (jünger als 45 Jahre) zu helfen (5).
©RZAM Variante 1: Tennisarmbandage
©RZAM Variante 2: Kompressionsbandage
  • Operation
    Eine Operation sollte nur dann erwogen werden, wenn konservative Maßnahmen mindestens sechs Monate ohne Symptomlinderung konsequent ausgeschöpft worden sind.
Prognose

Die gute Nachricht ist: Der Tennisarm ist eine selbstlimitierende Krankheit, das heißt, er vergeht mit oder ohne Therapie in der Regel innerhalb von ein bis zwei Jahren. Die meisten Betroffenen erleben innerhalb von zwölf Monaten eine Beschwerdelinderung.

Faktoren, die sich eher ungünstig auswirken, sind unter anderem Rauchen, Übergewicht, ein körperlich anstrengender Beruf mit einseitigen Tätigkeiten, zusätzliche Nackenbeschwerden und depressive Symptome.

Für die Prävention eines Tennisarms ist es sinnvoll, monotone Bewegungen in Sport, Freizeit oder Beruf zu vermeiden oder zu reduzieren. Auch eine ergonomische Anpassung von Arbeitsgeräten bietet sich an: So können Büromenschen zum Beispiel eine Vertikalmaus und eine ergonomische Tastatur verwenden, um eine natürlichere Körperhaltung während der Arbeit zu unterstützen.

Fazit

Auch beim Tennisarm heißt es also: Bleiben Sie aktiv und überbewerten Sie den Schmerz nicht. Trainieren Sie die betreffende Muskulatur mit Augenmaß und unter professioneller Anleitung und wählen Sie dazu unterstützend Manuelle Therapie und ggf. ergonomische Anpassungen am Arbeitsplatz.

Geben Sie nicht zu schnell auf!  Bei einem Tennisarm benötigen Sie einen langen Atem, denn Sehnenpathologien sind leider oft langwierig.
Da hilft am besten: Keep calm and carry on.


Exzentrische (muskelverlängernde) Übungen

Dehnung und Kräftigung der Handgelenkstreckmuskulatur:

©RZAM Winkeln Sie den betroffenen Arm an, fixieren Sie den Daumen mit den Fingern und drehen Sie die abgeknickte Hand nach unten. Die so entstehende Dehnung können Sie mit der freien Hand noch unterstützen. Mindestens 30 sek. halten, 3 Durchgänge.
©RZAM Strecken Sie den Arm, um die Dehnung noch zu verstärken.
©RZAM Die Muskeln zum Beugen und Strecken des Handgelenks sind über Sehnen am äußeren Ellenbogen befestigt. Massieren Sie den schmerzhaften Bereich (Querfriktion) mehrere Minuten in der beschriebenen Armhaltung. Regelmäßig angewandt, sorgt dies für eine Linderung.

 

 

 

 

 

 

©RZAM Finden Sie einen Platz, an dem Sie wie gezeigt, den Unterarm bequem ablegen können. Heben und senken Sie das Handgelenk mit einem Gewicht (bitte mit Augenmaß, langsam steigern). Spüren Sie die Dehnung im schmerzhaften Bereich unter den Fingern. Wiederholen Sie mind. 15 x, 3 Durchgänge.

Alle Übungen müssen über einen mehrere Wochen andauernden Zeitraum wiederholt werden. Die Verbesserung stellt sich meist nur langsam ein, aber sie ist die Mühe wert!


Surftipp:

Tennisarm-Fragebogen zum freien Download:
https://www.fomt.info/Downloads/Scores/PRTEE.pdf?m=1596524691&

Literatur:

(1) Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.
S2k-Leitlinie Epicondylopathia radialis humeri (2019)
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/033-019l_S2k_Epicondylopathia_radialis_humeri_2019-09.pdf
(Zugriff am 27.7.2020)

(2) Zheng C, Zeng D, Chen J, Liu S, Li J, et al. 2020. Effectiveness of extracorporeal shock wave therapy in patients with tennis elbow: A meta-analysis of randomized controlled trials.
Medicine (Baltimore). 99, 30:e21189.

(3) Yao G, Chen J, Duan Y, Chen X. 2020. Efficacy of Extracorporeal Shock Wave Therapy for Lateral Epicondylitis: A Systematic Review and Meta-Analysis. Biomed Res Int. Published online 2020 Mar 18.

(4) Heales LJ, McClintock SR , Maynard S, Lems  CJ, Rose JA, et al. 2020. Evaluating the immediate effect of forearm and wrist orthoses on pain and function in individuals with lateral elbow tendinopathy: A systematic review. Musculoskelet. Sci. Pract. 47:102147.

(5) Shahabi S, Bagheri Lankarani K, Heydari ST, Jalali M, Ghahramani S, et al. 2020. The effects of counterforce brace on pain in subjects with lateral elbow tendinopathy: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Prosthet. Orthot. Int. 8;309364620930618. Online ahead of print.


Alle Fotos Eigentum des RZAM. ©

Autor: Anna Palisi

Die Physiotherapeutin Anna Palisi verfügt über 11 Jahre Berufserfahrung und arbeitet seit 2017 im Rückenzentrum Am Michel. Aktuell lässt sie sich zur CRAFTA-Therapeutin (Cranio Facial Therapy Academy) ausbilden.

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