Neurodynamik – Bewegung für das Nervensystem

Teil II Physiotherapeutische Techniken: Die Neurodynamik

Unser gesamter Körper ist von Nervenbahnen durchzogen. Sie bilden ein ununterbrochenes Netzwerk, das jede unserer Bewegungen „mitmachen“ und uneingeschränkt um die umliegenden Strukturen (z.B. Muskeln und Gewebe) gleiten können muss. Das ist unter normalen Bedingungen sehr gut möglich und passiert ohne, dass uns dieser Vorgang bewusst ist.
Wenn allerdings das Gewebe rund um die Nerven eine freie Beweglichkeit nicht zulässt, kommt es zu Beschwerden.

Muskeln können Nerven reizen

Ein verspannter Muskel kann dafür verantwortlich sein, dass die Beweglichkeit eines Nervens eingeschränkt ist. Irritiert beispielsweise eine verspannte Gesäßregion den Ischiasnerv, führt das zu Beschwerden (Verspannungen, Kribbeln, Schmerzen) in Gesäß und Bein. Typischerweise treten die Symptome nicht am Ort der Ursache auf, sondern in den Bereichen, die der bedrängte Nerv versorgt.
In den meisten Fällen sind diese Beschwerden harmlos und reversibel. Ernst zu nehmende Funktionsstörungen sind etwa dann zu erwarten, wenn der Nerv so intensiv bedrängt wird, dass dieser nicht mehr leiten kann. Dann kann es z.B. zu einer reduzierten Empfindung oder Muskelschwäche bis hin zur Lähmung kommen. Dies ist allerdings sehr selten und kann sehr gut im Rahmen einer fundierten Diagnostik herausgefunden werden.

Wie kann die Neurodynamik helfen?

Ist das Nervensystem in seiner freien Funktion beeinträchtigt, hilft die Physiotherapie mit speziellen Übungen, den Nerv bei der Wiedererlangung seiner normalen Beweglichkeit zu unterstützen und weniger empfindlich zu machen.
Diese therapeutische Technik, bei der ein spezieller Teilbereich des Nervensystems oder auch nur ein einzelner Nerv rhythmisch mobilisiert werden, nennt sich Neurodynamik bzw. die Mobilisation des Nervensystems.

Die Bewegung des Nervensystems d.h. der einzelnen Nerven ist die Neurodynamik.

Die Methode ist schmerzfrei und der Patient kann sie, nach einer entsprechenden Schulung durch den Therapeuten, meist eigenständig durchführen.

Parallel zur Therapie des Nervensystems behandelt der Physiotherapeut auch evtl. vorliegende Dysfunktionen des umliegenden Gewebes. So kann die Entspannung der Muskulatur oder die Beweglichkeitsverbesserung eines Gelenkes zusätzlich notwendig sein.

Das Nervensystem hat eine anpassungsfähige Struktur, die nach einer Bedrängung jedoch einige Zeit benötigen kann, um sich wieder zu erholen.
Auch in solch einem Fall ist die Neurodynamik sehr hilfreich, da evtl. vorliegende Schwellungen, z.B. bedingt durch Entzündungen, positiv beeinflusst werden können.

Physiotherapeuten sind Experten

Sie erarbeiten mit Ihnen das richtige Maß zur Behandlung Ihres Nervensystems und erlernen gemeinsam mit Ihnen Übungen, die das Behandlungsergebnis erhalten und verbessern.
Hierfür ist Ihre Mitarbeit von größter Bedeutung, denn nur bei regelmäßigem „Üben“ kann eine nachhaltige Bewegungsverbesserung des Nervensystems erreicht werden.

Bleiben Sie geduldig

Ein Reizzustand am Nerven kann eine Zeitlang andauern. Wichtig ist, dass Sie trotzdem in Bewegung bleiben, denn regelmäßiges Üben und Bewegen ist generell gut für das Nervensystem.

Das Nervensystem liebt und braucht Bewegung. Gut durchblutet gewährleistet es bestmögliche Funktionalität.

Im englischsprachigen Raum hat sich der Spruch „Motion is lotion“ etabliert und dies trifft für alle Strukturen des Bewegungssystems zu. Bewegung ist Balsam für das Nervensystem, denn dafür ist es gemacht und ausgerichtet. Nutzen Sie diese Tatsache und vermeiden Sie unter allen Umständen, Stillstand, auch wenn Sie Bewegungen während einer Schmerzepisode als unangenehm empfinden. Wer sich möglichst schnell wieder normal bewegt, verbessert langfristig seine Behandlungsergebnisse.

© RZAM Die Neurodynamik wird auch zur Befunderhebung genutzt: In diesem Bild überprüft der Therapeut die mechanische Empfindlichkeit des Nervensystems. Basierend auf diesem und anderen Tests können Physiotherapeuten Techniken ableiten, die dem Nervensystem seine normale Beweglichkeit zurückgeben und es weniger empfindlich machen.

Lesen Sie auch Teil I unserer Beitragsreihe:
Die Manuelle Therapie

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

Autor: Michael Richter

Fachlicher Leiter der Physiotherapie. Seit 2007 im Rückenzentrum Am Michel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.