Spannungskopfschmerzen: Ursachen und erfolgreiche Behandlungsmöglichkeiten

von Dr. Kay Niemier

Kopfschmerzen sind weit verbreitet, meistens (medizinisch betrachtet) harmlos aber nervig. Eine der häufigsten Kopfschmerzformen ist der Spannungskopfschmerz. Es gibt keine einfache klare Ursache für Spannungskopfschmerzen, dafür eine Reihe von Einflussfaktoren, die diese Kopfschmerzform verursachen oder ihren Verlauf beeinflussen.

Bei einem neu auftretenden Kopfschmerz bzw. zur Behandlungsplanung ist eine Untersuchung beim Arzt Pflicht. In der Regel reichen eine Anamnese (Befragung) und eine klinische Untersuchung aus. Eine apparative Diagnostik (z.B. Laboruntersuchungen oder ein MRT des Schädels) ist nur bei Hinweisen auf bestimmte Kopfschmerzformen oder atypischen Kopfschmerzen/Schmerzverläufen notwendig.

Wird ein Spannungskopfschmerz diagnostiziert, ist es für die Behandlung wichtig, die beeinflussenden Faktoren zu identifizieren und wenn möglich, therapeutisch anzugehen.

Welche Einflussfaktoren spielen bei Spannungskopfschmerzen eine Rolle?

  • Bewegungssystem
    • Muskulatur
      • Muskelverspannungen (Hals-Nacken-Muskel, Kiefermuskulatur)
      • Triggerpunkte der Muskulatur
      • Muskelabschwächungen
    • Wirbelsäule/Gelenke
      • Bewegungseinschränkungen (insbesondere Hals- und Brustwirbelsäule)
      • Überbeweglichkeiten der Wirbelsäule
      • Funktionsstörungen der Kiefergelenke
    • Komplexe Funktionsstörungen des Bewegungssystems
      • Störungen der Bewegungs- und Haltungskoordination
      • Eine nicht ausreichende muskuläre Stabilisierung der Wirbelsäule
  • Psychosoziale Einflussfaktoren, z.B.
    • Stress/Überlastung/Daueranspannung
    • Schlechte Stimmung
    • Ängste
    • Mangelnde Entspannungsfähigkeit
  • Allgemeine Faktoren, z.B.
    • Bewegungsmangel
    • Einseitige Belastung
    • Fehlernährung

Als weitere mögliche beeinflussbare Ursachen sollten Fehlsichtigkeiten, Zahnerkrankungen und Erkrankungen aus dem Hals-Nasen-Ohren- Bereich ausgeschlossen oder behandelt werden.

Wie können Spannungskopfschmerzen erfolgreich behandelt werden?

Die Behandlung einer akuten Episode von Spannungskopfschmerzen ist in der Regel einfach. Medizinischer Standard ist die Behandlung mit einfachen Schmerzmitteln, z.B. Paracetamol, Acetylsalizylsäure, Metamizol oder ähnlichen Medikamenten. Hier sind natürlich Nebenwirkungen, Unverträglichkeiten und das Zusammenwirken mit anderen Medikamenten zu beachten. Eine häufige Einnahme von Kopfschmerzmitteln kann selbst zu Kopfschmerzen führen.

Eine wirksame Alternative ist die externe Anwendung von ätherischen Ölen.

Patienten, bei denen die Muskulatur, Wirbelsäule und/oder die Gelenke eine Rolle bei der Kopfschmerzentstehung spielen, können einfache Selbstmobilisations- bzw. Muskelentspannungstechniken erlernen, um ihren Spannungskopfschmerz schnell und effektiv zu behandeln.

Weiterhin sind gut erlernte Entspannungsverfahren (z.B. autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, meditative Techniken) sehr effektiv in der Behandlung eines akuten Spannungskopfschmerzes.

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Häufige Spannungskopfschmerzen sollten an eine Prophylaxe denken lassen. Einfache Maßnahmen sind die Vermeidung von bekannten Auslösern (z.B. Alkohol) und ein regelmäßiger Ausdauersport (z.B. Joggen, Walken, Radfahren 3 x/ Woche 1 Stunde oder täglich 30 Minuten; eine Trainingsherzfrequenz kann über einen Leistungstest bestimmt werden).

Patienten, bei denen Störungen des Bewegungssystems einen hohen Anteil an der Entstehung der Spannungskopfschmerzen haben, sollten neben der Mobilisation der Gelenke/Wirbelsäule und der Muskelbehandlung, an der Verbesserung der Wirbelsäulenstabilisation sowie an der Haltungs- und Bewegungskoordination arbeiten. Ein Motto wäre, mit Hilfe eines Therapeuten Übungen zu erlernen und diese täglich ca. 15-20 Minuten anzuwenden.

Patienten mit einer verminderten Entspannungsfähigkeit profitieren vom Erlernen und der regelmäßigen Anwendung von Entspannungsmaßnahmen. Sollte das nicht ausreichen, wäre ein psychotherapeutisches Gespräch sinnvoll. Hier kann nach Ursachen für die mangelnde Entspannungsfähigkeit und nach Lösungsmöglichkeiten gesucht werden.

Falls psychische Erkrankungen (Angst, Depressionen) eine Rolle spielen, sollten diese psychotherapeutisch und ggf. mit Medikamenten behandelt werden.

Bei sehr häufigen (> 10 x/ Monat), sehr einschränkenden oder lang anhaltenden Spannungskopfschmerzattacken kann zusätzlich und vorübergehend eine medikamentöse Kopfschmerzprophylaxe in Betracht gezogen werden. Zum Einsatz kommen Mittel, die unsere Fähigkeiten, Schmerzen zu beeinflussen, stärken. In der Regel sind das Medikamente, die auch in der Behandlung von Depressionen eingesetzt werden. Eine typische Behandlungsdauer wäre 1 Jahr.

Autor: Dr. Kay Niemier

Dr. Kay Niemier gehörte von 2016 bis 2018 zum Team des Rückenzentrum Am Michel. Er ist Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation mit dem Schwerpunkt Schmerztherapie.

3 Gedanken zu „Spannungskopfschmerzen: Ursachen und erfolgreiche Behandlungsmöglichkeiten“

  1. Ich habe oft Kopfschmerzen und möchte etwas dagegen tun. Gut zu wissen, dass eine Untersuchung beim Arzt zwingend erforderlich ist. Es ist in der Tat schön, dass es dafür Medikamente gibt.

  2. Meine Mutter klagt seit Längerem über Spannungskopfschmerz. Danke für den Hinweis, dass die Kiefermuskulatur Einfluss darauf haben kann. Sie hat nämlich bereits seit Monaten – mal mehr, mal weniger – Kiefergelenkschmerzen.

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