Hexenschuss – was tun?

von Dr. Joachim Mallwitz

Bei einem akuten Hexenschuss handelt es sich um plötzlich einschießende Rückenschmerzen, verursacht durch eine Gelenkfunktionsstörung im Bereich der Lendenwirbelsäule und der Iliosakralgelenke (den gelenkigen Verbindungen zwischen Kreuz- und Darmbeinschaufeln). Die Folge ist eine starke Einschränkung der Beweglichkeit bis hin zur Bewegungsunfähigkeit und eine ausgeprägte muskuläre Verkrampfung.
Ursache sind vielfach ruckartige Bewegungen im alltäglichen, ein plötzliches Niesen, ein Verdrehen oder eine einseitige Belastung zusammen mit einer kalten Muskulatur. Plötzlich ist er da: der Hexenschuss oder auch Lumbalgie genannt.


Als Reaktion nehmen die Betroffenen oftmals eine Schonhaltung ein, wodurch sich die Rückenmuskulatur noch stärker verkrampft und der Schmerz weiter zunimmt.
Da bei einer Lumbalgie keinerlei Schädigungen von Nerven auftreten, ist eine Fortleitung der Schmerzen in die Beine ausgeschlossen.
Auch wenn ein Hexenschuss sehr schmerzhaft ist, ist er doch harmlos und vergeht meist ohne Behandlung. Wichtig ist, die Beweglichkeit wieder zu erlangen und die verkrampfte Muskulatur zur Entspannung zu bringen.

Meine Tipps als Sofort-Maßnahmen bei akutem Hexenschuss:

• Nehmen Sie bei Bedarf ein leichtes Schmerzmittel, damit Sie besser in Bewegung kommen (zB Paracetamol).
• Bewegen Sie sich, so viel und so gut es geht. Jegliche Form der Bewegung hilft.
• Versuchen Sie sich zu dehnen, das reduziert die muskuläre Verspannung und den Schmerz.
• Liegen oder sitzen Sie möglichst wenig.
• Wärmeanwendungen und heiße Duschen helfen, da sie die verkrampfte Muskulatur lockern.
• Versuchen Sie sich zu entspannen und abzulenken.
• Werden Sie nicht ungeduldig. Heilung braucht Zeit!

Hexenschuss vorbeugen

Heutzutage verrichten wir nicht mehr anspruchsvolle körperliche Arbeiten, vielmehr besteht unser modernes Leben aus überwiegend sitzenden Tätigkeiten, monotonen Arbeitsabläufen, langen Autofahrten, schlechten Essgewohnheiten, die zu Übergewicht führen, Zeit- und Leistungsdruck. Kommen zu dieser „Belastung“ dann noch psychosoziale Einflüsse und mangelnde Bewegung in der Freizeit hinzu, strapaziert das unseren Rücken stark. Derlei Lebensgewohnheiten führen dazu, dass die Rücken- und Bauchmuskulatur zunehmend schwächer wird und ihre Aufgabe zum Schutz und als Stütze der Wirbelsäule nicht mehr ausreichend ausüben kann. Ändern Sie rechtzeitig etwas!

Die beste Maßnahme bleibt die Vorbeugung. Sie können selbst viel dazu beitragen, dass Ihnen zukünftig Rückenschmerzen erspart bleiben.
• Achten Sie darauf, Ihre muskuläre Leistungsfähigkeit zu verbessern, indem Sie mindestens einmal, besser 2 x pro Woche Stabilisationsübungen durchführen!
• Bleiben Sie in Bewegung! Treiben Sie regelmäßig Sport, egal wozu Sie Lust haben.
• Machen Sie bei einseitigen Sportarten wie z.B. Tennis oder Golf ausgleichende Übungen, damit die Muskulatur der weniger beanspruchten Seite auch trainiert wird.
• Stärken Sie Rücken- und Bauchmuskulatur gleichmäßig. Führen Sie hilfreiche Übungen, die Sie auch in den Berufsalltag integrieren können, regelmäßig aus.
• Vermeiden Sie langes Sitzen. Nehmen Sie immer wieder andere Positionen ein. Halten Sie die nächste Konferenz doch mal im Stehen ab.

Der beste Stuhl für den Rücken ist noch immer kein Stuhl!

• Strecken Sie sich nach langem Arbeiten im Sitzen oder in gebeugter Haltung in die Länge. Dehnübungen erhöhen die Beweglichkeit der Gelenke, festigen das Bindegewebe, stärken Sehnen und Bänder, erwärmen die Muskulatur und entspannen obendrein noch den Körper.

Autor: Dr. Joachim Mallwitz

Facharzt für Orthopädie und Physiotherapeut. Leiter des Rückenzentrum Am Michel seit 2001.

2 Gedanken zu „Hexenschuss – was tun?“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.