Vitamin-D-Mangel Ursache für Rückenschmerzen?

von Dr. Nicolai Borkowski

Über Vitamin D, das eigentlich eine Vorstufe eines Hormons ist, wurde in den letzten Jahren viel geforscht. Mittlerweile hat jeder davon gehört, dass diesem Nährstoff für unseren Organismus eine bedeutende Rolle zukommt. Geht das nun sogar so weit, dass es einen Zusammenhang zwischen Rückenschmerzen und einem Vitamin-D-Mangel gibt? Durchaus, wie Dr. Borkowski, Facharzt für Orthopädie im Rückenzentrum Am Michel, erläutert:

Vitamin D beeinflusst unseren Organismus auf vielfältige Weise positiv.

So wirkt es sich vorteilhaft auf das Herz-Kreislauf-System aus, es reduziert den Blutdruck und schützt vor Herzinfarkt und Schlaganfall. Darüberhinaus stärkt es unser Immunsystem, schützt uns vor Infekten und senkt, das ergaben aktuelle Studien, das Darm- und Brustkrebsrisiko.

In nahezu allen Organen und Geweben des menschlichen Körpers existieren Vitamin-D-Rezeptoren. Diese sind auf eine gute Versorgung mit dem Nährstoff angewiesen, erst dann können sie ihrer Aufgabe nachkommen. Fehlt dem Organismus aber in ausreichendem Maß Vitamin D, so ist dies nicht eindeutig zu spüren, die Auswirkungen sind eher schleichend und offenbaren sich häufig erst nach vielen Jahren. Die Symptome können vielfältig sein und nur selten ihrer Ursache zugeordnet werden.

Welche Einflüsse hat Vitamin D auf unseren Bewegungsapparat?

1. Vitamin D spielt eine zentrale Rolle im Knochenstoffwechsel. Bei einem Vitamin-D-Mangel kann zu wenig Kalzium aus dem Darm aufgenommen und in den Knochen eingelagert werden. Bei Kindern kann dies zu Rachitis führen. Bei Erwachsenen werden die Knochen porös und verlieren an Stabilität und Dichte. In der Folge entwickelt sich eine Osteoporose, an der in Deutschland mindestens 30 Prozent aller Frauen nach den Wechseljahren erkranken und bereits jeder fünfte Mann über 50 betroffen ist. Tendenz steigend.

2. Unsere Muskelzellen müssen ebenfalls gut mit Vitamin D versorgt sein, denn nur mit Hilfe dieses Nährstoffes können sie zuverlässig reagieren und sich kräftig ausbilden. Ist der Vitamin-D-Haushalt ausgeglichen, wird die Ansteuerungsfähigkeit der Muskulatur verbessert und das Sturzrisiko deutlich vermindert.
Wer also häufig unter Rückenschmerzen leidet, zuweilen umknickt oder sogar hin und wieder stürzt, sollte in Betracht ziehen, dass dies auch ein Hinweis auf einen zu geringen Vitamin-D-Spiegel sein kann. Ein für diese Jahreszeit typisches Phänomen.

Wie verbreitet ist der Mangel an Vitamin D?

In Deutschland weisen knapp 80% der Bevölkerung einen Vitamin-D-Mangel auf. In unseren Breitengraden ist die UVB-Strahlung, die die Vitamin-D-Produktion in der Haut des Menschen aktiviert, äußerst gering. Gerade in den Wintermonaten zeigen sich deshalb in Laborkontrollen bei vielen Patienten sehr niedrige Werte.

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Nur wenige Lebensmittel enthalten reichlich Vitamin D, z.B. fetthaltiger Fisch (Hering, Lachs), so dass selbst eine gesunde und ausgewogene Ernährung den Bedarf lediglich zu einem Bruchteil abdecken kann.

Was kann man gegen einen Vitamin-D-Mangel tun?

Als Richtwert gilt: Bei wem der Wert unter 30 Nanogramm je Milliliter liegt, der sollte zu seiner Gesunderhaltung ein Vitamin-D-Präparat einnehmen. Richtig dosiert eingenommen, sind Beschwerden durch Vitamin-D-Tabletten unwahrscheinlich. In Kanada, den USA und einigen skandinavischen Ländern wird Vitamin D daher Lebensmitteln wie Milch und Milchprodukten zugesetzt, um so dem Mangel in der Bevölkerung frühzeitig vorzubeugen.

Im Rückenzentrum Am Michel konnte bei zahlreichen Patienten beobachtet werden, wie durch eine Kombination aus verbessertem Vitamin-D-Spiegel sowie einer Steigerung der körperlichen Aktivität und der daraus resultierenden mechanischen Beanspruchung der Knochen, die Knochenmasse und -festigkeit sowie die Muskulatur wieder deutlich zunahm. Gleichzeitig bildeten sich die Rückenschmerzen kontinuierlich zurück.

Ich würde mir wünschen, dass auch Sie in Zukunft Ihrem Vitamin-D-Spiegel mehr Beachtung schenken und somit sich selbst zu einer besseren Gesundheit, einem größeren Wohlbefinden und einer längeren Lebenserwartung verhelfen.

Autor: Dr. Nicolai Borkowski

Facharzt für Orthopädie. Seit 2008 im Rückenzentrum Am Michel.

17 Gedanken zu „Vitamin-D-Mangel Ursache für Rückenschmerzen?“

  1. Ein guter Beitrag zu dem wichtigen Thema! Auch für Schwangere, Senioren und insbesondere Kinder ist Vitamin D wichtig, da hier oftmals ein Mangel vorliegt.

  2. Hallo Herr Borkowski,
    es ist wirklich interessant, für was Vitamin D3 alles mit verantwortlich ist – natürlich nur, wenn zu wenig davon vorhanden ist. Danke für den Beitrag in Bezug auf Rückenschmerzen! Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass auch diese Symptome bei einem Vitamin D3 Mangel verstärkt werden.
    Es wird interessant sein zu verfolgen, wie sich das Thema in den kommenden Jahren noch entwickelt. Es gibt ja beinahe täglich neue, unglaubliche Erfolgsgeschichten zu lesen.

    Beste Grüße
    Andreas Heid

    1. Guten Tag Herr Heid.
      Vielen Dank, dass Sie unseren Blog-Beitrag zum Thema Vitamin-D gelesen haben.
      Auch wenn es zur Zeit noch recht kühl ist, sollte es uns nicht davon abhalten, wieder häufiger nach draußen zu gehen, um Sonnenlicht an unsere Haut zu lassen. Denn das regt die Vitamin-D-Produktion an, die unseren Knochenstoffwechsel reguliert und Osteoporose verhindert.
      Die Nahrung deckt nur rund 5 % unseres Vitamin-D-Bedarfs ab und kann daher die Aktivität an der frischen Luft nicht ersetzen.
      Viele Grüße vom Rückenzentrum Am Michel, Dr. Borkowski

  3. Das ist ja mal ein ganz anderer Ansatz. Aber durchaus einleuchtend, vor allem wenn Sie damit bereits gute Erfahrungen gemacht haben.

    Ich werde meinen Leuten mal eine Vitamin-D-Zufuhr empfehlen, denn neben Bewegung ist die Ernährung ja auch ein ganz wichtiger Faktor bei Rückenschmerzen.

  4. Nicht, dass ich ein Freund von Nahrungsergänzungsmitteln wäre, oder Esoterisches zum Heilen an mich heranließe. Aber nachdem mir die Hausärztin wegen „der Stimmung“ und einem spontan diagnostizierten „Vitaminmangel“ eine entsprechende Vitaminzufuhr verordnete – sind meine Rückenschmerzen wesentlich zurückgegangen. Als alter Bürohocker hatte ich mich – trotz Sport und regelmäßig Draußensein – schon schicksalhaft mit meinem Verschleiß abgefunden. Es war nicht der Glaube, der diesen Berg versetzte…
    Es lohnt sich, über diesern Zusammenhang nachzudenken.

    1. Vielen Dank, dass Sie Ihre Erfahrungen hier geteilt haben. Vitamin-D ist ein vielfach unterschätztes Vitamin, das an zahlreichen Prozessen in unserem Körper beteiligt ist. Gerade jetzt in der zunehmend dunkler werdenden Jahreszeit ist es wichtig, regelmäßig ein Vitamin-D-Präparat einzunehmen.

  5. Danke für diesen Artikel.
    Ich habe ein paar Wochen Vitamin D3 mit K2 und Magnesium hochdosiert supplementiert und empfinde keinerlei Rückenschmerzen und Muskelschmerzen mehr. Finde es sehr erstaunlich.

    1. Vitamin K2 ist ebenfalls wichtig für den Knochenstoffwechsel. Allerdings ist ein Mangel an K2 nicht so häufig, wie ein Mangel an Vit.-D3. Lassen Sie zunächst Ihre Werte bestimmen, bevor Sie prophylaktisch Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen.

    1. Die Nahrung deckt nur rund 5 % unseres Vitamin-D-Bedarfs ab. UVB-Strahlung, die die Vitamin-D-Produktion in der Haut des Menschen aktiviert, ist zur Zeit immer noch reichlich vorhanden, daher empfehlen wir Ihnen, sich regelmäßig im Freien aufzuhalten. Eine Empfehlung für ein Präparat können wir leider an dieser Stelle nicht aussprechen. Bitte sprechen Sie dazu mit Ihrem Arzt und lassen Sie zunächst Ihre Werte bei einer Blutabnahme bestimmen.

  6. Ein sehr interessanter Ansatz. Ich hatte vor einigen Jahren mehrfach Hexenschuss und dann einen BSV mit Taubheitsgefühlen im Fuß und Op.. Wir haben große Hunde und somit täglich ausreichend Bewegung. Fühlte mich immer sehr schlapp. Habe einen Tipp bekommen, meinen Vitamin D-Spiegel testen zu lassen. Dieser war extrem niedrig, nehme jetzt Dekristol 20000 2x die Woche und fühle mich vitaler und meine Rückenschmerzen sind stark zurück gegangen.

    1. Hallo Andy. Vielen Dank für Ihren persönlichen Bericht. Häufig liegt es am niedrigen Vitamin-D-Spiegel, dass wir uns schlapp und müde fühlen und dass uns der Rücken weh tut. Eine Bestimmung des Vitamin-D-Wertes ist schnell gemacht und zahlt sich, wie in Ihrem Fall, positiv aus. Wir empfehlen ihn allen unseren Patienten. Weiterhin gute Gesundheit und viele Grüße vom Michel.

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