Osteoporoseprophylaxe: Radfahren in Hamburg ist besser als sein Ruf

Morgens und abends quer durch die Stadt mit dem Fahrrad. Dr. Niemier kennt Hamburgs Fahrradwege und ihre Tücken. Sein tägliches Training ist jedoch eine perfekte Osteoporoseprophylaxe. Hier erklärt er warum:

Hamburger Radwege und ein osteoporotischer Knochen haben einiges gemeinsam: sie sind brüchig, gefährlich und man kann etwas dagegen tun.

Die Osteoporose ist auf dem Vormarsch. Das liegt an den Risikofaktoren, die zu einer Osteoporose führen:

  • Höheres Lebensalter
  • Mangel an Bewegung
  • Rauchen
  • Alkohol
  • Vitamin-D-Mangel
  • Unterernährung
  • verschiedene Medikamente
  • verschiedene Stoffwechselerkrankungen

In einer immer älter werdenden Gesellschaft, welche sich zunehmend im Lebensalltag weniger bewegt, nur selten Sonnenlicht an die Haut lässt, weil sie sich nicht mehr oft draußen aufhält oder sich selbst bei grauem Hamburger Wetter Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 aufträgt und dabei obendrein noch einen hohen Medikamentenverbrauch hat, ist die Zunahme der Osteoporose zwangsläufig.

Das Lebensalter spielt jedoch, bei den vielen Gründen, warum ein Knochen brüchig wird, die größte Rolle:

In unseren Knochen befinden sich Zellen, die den Knochen ständig erneuern: Osteoklasten bauen alte Knochensubstanz ab, Osteoblasten bilden neue. Während im Kindes- und Jugendalter vor allem die Osteoblasten aktiv sind, kommt es mit etwa 30 zu einer Balance zwischen Knochenauf- und Knochenabbau. Ab 40 überwiegt dann – auch bei Gesunden – der langsame Rückgang von Skelettmasse. Wer allerdings in jungen Jahren aktiv war und sich gern bewegt hat, hat damit viel Knochenmasse aufgebaut und profitiert im Alter von einer guten Substanz. Bei den anderen kommt es zu einem langsamen Verlust der Knochenmasse. Die Struktur der Knochen verändert sich. Sie werden porös und dadurch brüchig (Osteoporose).

Wie kann man dieser Entwicklung entgegen wirken?

Der wichtigste Grundsatz ist: Knochen brauchen Kalzium, Vitamin D und Belastung.

Kalzium wird in der Regel ausreichend mit unserer Nahrung aufgenommen. Vitamin D ausschließlich mit der Nahrung aufzunehmen, ist schwierig. Um genügend Mengen dieses Vitamins zur Verfügung zu haben, brauchen wir gut funktionierende Nieren und eine ausreichende Bestrahlung mit Sonnenlicht. Ist das nicht gegeben, kommt es zum Vitamin-D-Mangel mit negativen Konsequenzen für die Knochen. Daher ist es sinnvoll, den Vitamin-D-Wert im Blut einmal bestimmen zu lassen und eine Unterversorgung mit einem Vitamin-D-Präparat auszugleichen.

Aktive Menschen haben festere Knochen
Hätten Sie´s gewusst? Knochen sind nicht passiv, sondern werden immer wieder umgebaut. Wenn man ein aktiver Mensch ist, wirkt sich das direkt auf die Knochengesundheit aus.

Ein Beispiel aus dem Weltraum veranschaulicht dies: Astronauten verlieren im Weltraum rapide an Knochenmasse (bis zu 1,5% pro Monat), da das gesamte Skelett in der Schwerelosigkeit keinerlei Belastungen ausgesetzt werden kann.

Alles, was nicht gebraucht wird, wird abgebaut!
(Use it or loose it)

Da beim Fahrradfahren die Belastung der Knochen in der Regel gering ist, wird Fahrradfahren nicht zur spezifischen Osteoporosebehandlung eingesetzt. Empfohlen werden hingegen Krafttraining und Bewegungen mit hoher Knochenbelastung („hüpfen, tanzen, springen“).

Das Radfahren auf Hamburger Radwegen ist jedoch anders. Denn viele Schlaglöcher, hohe Kanten an Auffahrten und plötzlich endende Radwege führen zu Stößen, Knuffen und damit zu einer großen Belastung der Knochen. Zusammen mit der Bewegung an der frischen Luft (Training für Herz-Kreislauf) und Sonne (Vitamin D) regt dies die Bildung von Osteoblasten und damit den Aufbau von Knochensubstanz an.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender positiver Faktor des Radfahrens in Hamburg ist auch die Verbesserung unserer Reaktions-, Koordinations- und Gleichgewichtsfähigkeit. Autos, Fußgänger, Mitradfahrer, Straßenschilder, Mülltonnen etc. führen immer wieder zu hohen Anforderungen an unsere Reaktionsgeschwindigkeit, den Gleichgewichtssinn sowie den Ausweichfähigkeiten und damit zu einem entsprechenden Training (Sturzvermeidungstraining).

E-Bikes sind in der Stadt nicht empfehlenswert, da man mit ihnen oft höhere Geschwindigkeiten erreicht (geringere Knochenbelastung bei höherer Sturzgefahr) und sie bei den fehlenden Hamburger Bergen nur einen geringen Trainingseffekt haben.

Für Patienten mit fortgeschrittener Osteoporose könnte die Knochenbelastung aufgrund der Schlaglochtiefe auf Hamburger Radwegen sogar zu hoch sein. Sie sollten daher in jedem Fall auf eine gute Federung ihres Rades achten und ihre Geschwindigkeit zügeln.

Fazit:

Radfahren auf Hamburger Radwegen tut unseren Knochen gut, da es knochenaufbauend wirkt und viele gesundheitsfördernde Eigenschaften hat.
Bei allem Positiven verbleibt jedoch leider auch ein Verletzungsrisiko.

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Autor: Dr. Kay Niemier

Dr. Kay Niemier gehört seit August 2016 zum Team des Rückenzentrum Am Michel. Er ist Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation mit dem Schwerpunkt Schmerztherapie.

2 Gedanken zu „Osteoporoseprophylaxe: Radfahren in Hamburg ist besser als sein Ruf“

  1. Sehr guter Artikel, der andere Aspekte beleuchtet. Die Zeit arbeitet bekanntlich gegen uns. Jeder Tag ist gut, an dem wir etwas für uns tun können. Der Artikel hat wieder Einiges bewusst gemacht.
    Gruß aus München.

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